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Ein Blick in die Hölle


Eine Super Truck Tour mit Hólasport
Hótel Laki, Efri-Vík 880 Kirkjubæjarklaustur
Sími+354 660 1151
holasport@holasport.is

Der Weg zum Eyjafjallajökull-Krater

You ain´t seen nothing yet!




Es begann alles durch einen Zufall.
Die Laki Piste F206 war noch gesperrt und so machten wir eine geführte Tour mit Hólasport.
Diese Tour hat uns soviel Spaß gemacht, dass wir mal danach gefragt hatten, ob sie denn auch zum Eyjafjallajökull fahren würden.
Na klar!
Am 8.Juli 2011 war es dann soweit.
Der Treffpunkt sollte der Parkplatz vom Seljalandsfoss an der Ringstraße 1 sein.
Bis zu diesem Zeitpunkt war ungewiss, ob die Tour überhaupt stattfinden kann.
Am frühen Morgen gab es einen Gletscherlauf am Mýrdalsjökull, der die Brücke über den Múlakvísl bei Vik weggerissen hat.
Man war auch sehr angespannt, was der Vulkan Katla machen würde, da erhöhte Erdbebenaktivitäten gemessen wurden.
Aber pünktlich rollte unser Auto an.
Schon sehr imposant, wenn der Truck vorfährt. Da werden alle anderen Autos zu Kinderspielzeugen.
Das Funkgerät war ständig online geschaltet, damit wir sofort auf neuste Meldungen reagieren können.
Es konnte also losgehen.
Nach dem ersten Anstieg entschloss sich Trausti, unser Fahrer, erst einmal den Luftdruck in den Reifen zu verringern,
um einen besseren Grip zu bekommen.



Nach ca. 20 min. endete die Schotterstraße, die ungewöhnlich breit in den Hang gelegt worden ist.
Sie wurde als Zufahrt zu einem Steinbruch gebaut.
Dieser Steinbruch lieferte das Baumaterial für den Anlegekai der Fähre zu den Westmännerinseln.


Der Blick ging immer wieder zum Himmel.
Bei der Anfahrt hatten wir von westen kommend, bestes Wetter gehabt.
Von Hekla ging ein riesiges Wolkenband in Richtung Südküste.
Über Funk gab es eine Menge Spekulationen, ob der Vulkan schon
aktiv sei.


Immer wieder zogen dichte Nebelschwaden auf.



Die Fahrt ging jetzt nur noch langsam voran, denn die Piste war keine mehr.
Teilweise mussten starke Steigungen überwunden werden und sehr große Brocken lagen überall herum.

Es war aber der Weg, der im GPS abgespeichert war.
Also alles noch im grünen Bereich.
Aber spätestens hier endet die "gemütliche" Fahrt.
Nach einer Stunde haben wir den Gletscher erreicht.



Die Spuren zeigten den Weg.
Hier müssen wir also hoch.
Trausti sagte, dass jetzt das schwierigste Stück beginnen würde.
Wenn wir das überwunden haben, ist der Rest ein Kinderspiel.
Also los.
Dann, nach ca. 30 m, war Schluss.
Die Räder haben sich in den weichen Schnee gewühlt.



Trausti versuchte durch schaukelnde Bewegungen neuen Grip
für die Reifen zu bekommen.
Das alles bei dieser Steigung - oh ha!




Jetzt entschied sich Trausti dafür, noch mehr Luft aus den Reifen zu lassen,
um die Auflagefläche zu erhöhen.


Immer wieder musste ich daran denken was passieren würde,
wenn das Fahrzeug nach hinten rutschen würde.
Aber es sollte noch dicker kommen.
Als ich davon ausging, die Mission als gescheitert zu betrachten,
lies sich Trausti ca. 10m nach unten rutschen,
trat erneut auf das Gaspedal, schlug das Lenkrad 90° nach
links ein und fuhr auf den Steinwall links von uns zu.
Jetzt standen wir richtig in der Wand.



Und wieder hingen wir fest!
14 km hatten wir geschafft und nun war doch das Ende der Tour erreicht?
Ein Foto habe ich noch gemacht, denn bei geschätzter 60° Neigung,
brauchte ich meine Hände zum Festhalten
und außerdem musste ich mich auf den Absturz mit Überrollen einstellen. :)
Uns war in diesem Augenblick nicht wohl.
Wie es Trausti gemacht hat wissen wir nicht, aber er hat
es tatsächlich geschafft!
Das war echtes Können!
Unser Vertrauen in seine Fahrkünste stieg gewaltig!
Jetzt galt es einen anderen Weg zu suchen.


Der erste Weg war eine Sackgasse.
Die Felsbrocken waren unüberwindbar.
Wir suchten den Weg zwischen Geröll und Eis.



Das war genau richtig. So kamen wir vorwärts.



Bei 1000 m hatten wir das Schwierigste überstanden.
Die rutschigen und giftigen Anstiege waren geschafft!
Zu ersten Mal konnten wir in der Ferne den Gipfel erahnen.



Jetzt mussten noch ein paar Altschneefelder überwunden werden,
bevor wir auf das eigentliche Gletschereis kamen.
Immer weiter ging es nach oben.
Bei 1100 m haben wir den Eispanzer erreicht.


Noch hielt das Wetter. Die Wolkendecke verdichtete sich mehr und mehr,
aber sie gab auch noch die eine oder andere Lücke frei.
Hier ein Blick auf den im Tal fliesenden Markarfljót, der vor einem Jahr
auch den Gletscherlauf vom Eyjafjallajökull aufnahm.


Die Fahrt dauerte nicht lange. Wieder haben sich die Räder
ins Eis gedrückt.

Aber kein Problem. Wir mussten lediglich die Auflagefläche
wieder erhöhen.


Die Sonne hatte die obere Schicht weich werden lassen.


Schade, aber jetzt zogen immer mehr Wolken über uns hinweg.
Wir können wirklich hoffen, dass wir oben nicht in einer
dicken Wolkenschicht stecken.



Der Grip war wieder hergestellt und wir kamen relativ gut voran.



Wir versuchten die alte Strecke wieder zu finden,
die laut GPS vorgegeben war.
Keine Chance, denn immer wieder tauchten solche Spalten
im Eis auf.
Bei der schlechter werdenden Sicht auch gar nicht so einfach,
sie rechtzeitig zu erkennen.
Vorsichtig haben wir diese Risse umfahren.



Dann war es soweit!
2 Stunden nach Abfahrt, sahen wir zum ersten Mal den Gipfel.
Richtig unheimlich tauchte er aus dem Nebel auf.


Wir haben es geschafft!
Wir waren auf dem Gipfel des Eyjafjallajökull angekommen!
Das GPS zeigt eine Höhe von 1563 m.



Dieser Felsen ist der eigentliche Gipfel.
Er war auch schon vor der Eruption vorhanden und diente während
der Eruption manchem mutigen Fotografen als Bühne, um das Schauspiel
aus bester Perspektive zu betrachten.



Die gesamte Asche vom letzten Ausbruch war mit Schnee überdeckt.
Lediglich dieser Felsen zeigte noch die Asche.



Ein dreieckiges Teil erregte die Aufmerksamkeit von uns.
Trausti hatte es auch vorher nicht gesehen, denn bei seinem letzten
Besuch lag noch viel mehr Schnee auf dem Gipfel.
Wir entschlossen uns, zuerst diesem Teil einen Besuch abzustatten.


Mein Optimismus, alles mit einmal bewältigen zu können,
wurde bald jäh gestoppt!
Die Fotokamera umhängend und die Filmkamera in der rechten Hand,
machte ich mich daran, dieses Felsstück zu besteigen.
Unterhalb der Asche war noch Eis und die obere Schicht schon etwas angetaut.
Ich hatte großes Glück, dass die Kameras einigermaßen verschont blieben.


Es war dieser Hang aus losem Material, der mir den Aufstieg so
schwer gemacht hat!




Irgendwann hatte ich es doch geschafft und wir konnten dieses
Teil unter die Lupe nehmen.
Was wie ein seismisches Messgerät aussah, war ein Umsetzer für Funksignale.


Dampf steigt aus dem Krater auf.
Ein Zeichen, dass er noch nicht erkaltet ist.



Gut war, dass über uns eine kräftiger Wind wehte, der die Wolken immer
wieder in Bewegung hielt.
Manchmal dachten wir daran, dass es zu keiner guten Sicht mehr kommen wird.
Aber egal. Was für ein Wahnsinnsgefühl hier zu stehen!



Wir machten wir uns wieder vom Berg. Besser gesagt - rutschten vom Berg.
Die Schuhe waren jetzt mit Asche und Eis gut gefüllt.
Wir gingen zurück zum Auto, haben noch etwas gegessen und bereiteten
uns für den Abstieg zu inneren Kraterrand vor.
Leider zogen zum jetzigen Augenblick noch mehr Wolken auf.


Nun begann der eigentliche spannende Teil der Tour - der Abstieg zu Kraterrand.
Die große Frage war: Wie weit werden wir herankommen?
Zuerst versperrte uns diese Spalte im Eis den Weg.
Diesen Spalten sollte man mit großem Respekt begegnen!



Wir umgehen diese Spalte und halten uns an die Anweisungen von Trausti.
Abstand halten, vorsichtig gehen und in seiner Spur bleiben!





Und immer mal wieder, wenn auch nur für Augenblicke,
öffnet sich die Wolkendecke und gibt den Blick auf
den Krater frei.



Es ging einem schrägen Hang entlang.
Auf dem Schnee und dem darunter liegenden Eis war es gar nicht
so einfach, sicheren Tritt zu bekommen.



Als hätte der Himmel auf uns gewartet!
Das Wetter wurde schlagartig besser und tauchte alles in ein
sehr merkwürdiges Licht.
Alles wurde mit einmal so glasklar und konturenscharf.

Und dann diese absolute Stille.


Der Blick geht nach Norden in Richtung Gletscher.
Unterhalb dieser Gletschers brach das Eis durch und entließ gewaltige
Mengen Schmelzwasser.


Zum besseren Verständnis habe ich mal ein Bild vom Unterlauf des Gletschers.
Das Bild zeigt den Gletscher von der Unterseite in Richtung Þórsmörk
Übrigens blickt auch diese Webcam ständig auf diese Seite.

Klick


Der Blick geht auf die gegenüberliegende Kraterwand.


Wir sehen schon den Kraterrand.


Ich blicke mal zurück und suche das Auto.

Erkannt?



Wieder ein Wolkenloch in Richtung Þórsmörk.







Gar nicht auszudenken, wenn wir wolkenlosen Himmel gehabt hätten!
Weiter geht es nach unten.



Da vorn, das muss der Kraterrand sein!



Aber Vorsicht! Nicht zu überhastig!
Auch hier muss jeder Schritt überlegt werden!



Wir stehen am Rand des Vulkankraters!!





Der erste Blick ins Innere des Kraters.
An der oberen Seite, an der wir gerade stehen, bedeckt sehr
viel Eis den Hang.
Aus dem Untergrund hört man ein dumpfes Glucksen.
Dabei scheint es sich um Schmelzwasser zu handeln,
das durch die Hitze zum Kochen gebracht wird.





Schaut man wieder nach unten, ist das Eis geschmolzen.
Es muss heiß sein, denn wir bekommen immer wieder warme
Luftzüge zu spüren.
Auffällig ist ein farbiger Berg im Mittelpunkt.



Vergrößert.


Die Flanken sind stark zerklüftet.


Immer wieder zeigt das Licht neue Perspektiven.



Das Wetter zeigt sich stabiler und wir entschließen uns, noch
etwas tiefer zu steigen.



Es ist ganz still und es riecht auch nicht nach Schwefel.
Fast schon unheimlig.



Weiter sollte man nicht gehen!
Die Aufhäufungen bestehen aus loser Asche und können
jeder Zeit abrutschen.



Wir kommen an der zerklüfteten Stelle an und merken sofort, dass
es im Inneren noch richtig heiß sein muss.



Es ist ein unglaubliches Gefühl an einem Ort zu stehen, der noch vor
nicht all zu langer Zeit gewaltige Kräfte freisetzte und Europa`s
Flugverkehr fast komplett zum Erliegen gebracht hat.
Wir ertasten den Vulkan.



Jetzt kann man auch den bunten Berg in der Mitte des Kraters gut erkennen.
Merkwürdig - alles ist ziemlich stark zerklüftet und fast schwarz
und dann dieser Berg.
Innerlich stelle ich mir die Frage, ob man da hingehen kann?



Dieser kugelige Berg bildet so eine Art Zentrum des Kraters.
Es muss also noch sehr heiß in seiner Nähe sein.



Wie heiß es in unseren unmittelbaren Umgebung sein muss,
habe ich auch schmerzhaft erfahren müssen.
Durch diese kleinen Spalten strömt Dampf, der nicht zu sehen,
dafür aber zu spüren ist.
Es ist höllisch heiß! Damit war auch meine Frage, ob man auf
dem farbigen Hügel besuchen kann, beantwortet



An diesem Aschewall musste ich mich kurz mit der Hand abstützen.
Wenn doch die Schmerzleiter nicht so träge wären, hätte ich die
Hitze schneller gemerkt.
Ich habe den Vulkan gefühlt!!



So langsam scheint das Wetter umzuschlagen.
Die Wolkenlücken werden immer spärlicher uns man hat das Gefühl,
dass der aufsteigende Dampf immer mehr werden würde.



Wir finden interessante Gesteinesbrocken, die während
des Ausbruches herausgeschleudert wurden.
Und erstaunlich - es dominieren nicht immer nur schwarz und rot.






Wir finden auch die vulkanischen Bomben.





Auch die etwas größeren sind reichlich vorhanden.


Die ganzen Hänge sind überhäuft.



Hier noch ein kleiner Film.



Der Nebel wird immer dichter und wir entschließen uns,
so langsam den Rückweg anzutreten.



Eigentlich wollen wir gar nicht gehen!
Wir wären am liebsten hier geblieben.
Aber wir
mussten uns wieder auf den Rückmarsch machen,
denn oben hatte es angefangen zu schneien.
Diese Eindrücke werden wir für immer im Kopf bewahren.
Es war eine ganz tolle Erfahrung die uns gezeigt hat, wie klein
wir eigentlich sind und was die Natur, ohne uns zu fragen,
so alles machen kann.



Leider musste ich auch sehr schmerzhaft erfahren, dass mein Schienbein nicht alles abkann.
Es gibt unter dem Schnee eine Menge Hohlräume.



Dazu gleich ein Hinweis:
Wer diese Tour ebenfalls machen will, sollte unbedingt die
entsprechenden Schuhe anhaben!!
Es ist nicht nur staubig und schlammig, sondern es sind die
superscharfen Gesteinskanten, die ganz schön an der Sohle
und an der Oberfläche der Schuhe arbeiten!



Der Aufstieg ist genauso rutschig.



Man jetzt auch sehr schön den äußeren Kraterrand erkennen.



Nach einem beschwerlichen Aufstieg, erwartete uns am
Auto Schneefall.
Wir hatten also zur richtigen Zeit den Rückweg angetreten.
Außerdem bekamen wir jetzt auch Besuch.



Jetzt konnten wir uns problemlos an der gefahrenen Spur orientieren.






Unten im Tal haben wir unsere Trinkflaschen noch einmal mit frischem
Wasser gefüllt.



Dann sehen wir wieder auf die Markarfljót.


Unten wieder angekommen, mussten wir schnell noch einmal
zum Gletscher fahren, um ihn von unten zu betrachten.
Irgendwo da oben haben wir eben noch gestanden.


Wir haben ein Abenteuer erlebt, auf das wir uns seit einem
Jahr gefreut haben.
Einmal den Vulkan so nah erleben - das ist nur noch durch
einen Ausbruch zu übertreffen!

An dieser Stelle einen ganz herzlichen Dank an Trausti!
Seine Fahrkünste haben uns dies Möglichkeit erst ermöglicht.
Wer also mal dieses Abenteuer selber erleben oder die Laki
Krater sehen möchte, denen möchten wir die Jungs
von Hólasport sehr ans Herz legen!
Takk fyrir !!